Sammys Geschichte


Vor etwa 2 Jahren döste ich in der heißen Bukarester Mittagssonne auf meinem Lieblingsplatz, neben der Eingangstür eines Lebensmittelladens, vor mich hin, als ich auf einmal merkte, irgendetwas stimmt nicht!

3 Männer standen plötzlich um mich herum, blickten ganz finster drein und hatten eine ganz lange Stange in der Hand mit einer ganz dünnen Schlaufe am Ende. Ich hatte Angst, wollte weglaufen. Der Mann mit der Stange war aber schneller. Mit einer blitzartigen Bewegung hatte ich diese Schlaufe um meinen Hals und plötzlich wurde die immer enger, so eng, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Es war ein ganz dünner Draht, der sich ganz gemein in meinen Hals schnitt. Es brannte fürchterlich und ich blutete.

Ich hatte furchtbare Angst, winselte und jammerte. Den bösen Männern war das egal. Ich kämpfte gegen den Draht und stemmte mich mit allen vieren dagegen. Doch je mehr ich kämpfte, desto mehr tat es weh, desto weniger Luft bekam ich und desto mehr blutete mein Hals. Die Männer zerrten mich mit dieser furchtbaren Stange zu ihrem Auto. Dann nahm der Mann mit der Stange alle Kraft zusammen und schleuderte mich mit der Stange in das Auto, mitten zwischen andere Hunde, die ich nicht kannte. Die waren ganz erschrocken und ein paar von denen bissen sofort zu. Ich konnte doch gar nichts dafür, ich wollte die doch nicht stören.

Das raufschleudern hat ganz furchtbar wehgetan. Ich habe gedacht, die reißen mir den Kopf ab. Auf dem Auto wurde dann diese furchtbare Schlinge endlich abgemacht und ich konnte mich erholen.

Das Auto fuhr ein paar Meter und dann hielt es an. Mir klopfte das Herz und ich dachte, was wird mir jetzt passieren? Es dauerte ein paar Minuten und plötzlich flog ein weiterer Artgenosse in das Auto. Er sah genauso schlimm aus, wie ich und die anderen. Er blutete am Hals und alles tat ihm weh. Er war aber noch schlimmer beieinander als wir. Er konnte nicht mehr atmen. Die Schlinge hat ihm beim raufschleudern die Kehle durchgeschnitten.

Das Auto fuhr weiter und dem armen Kollegen hat keiner geholfen. Er ist nach ein paar Minuten Fahrt gestorben und hat mich ganz traurig dabei angesehen. Ich konnte in seinen Augen lesen, das er ein ganz großes und trauriges "WARUM???" fragte.

Wir kamen nach einer endlos scheinenden Fahrt in einem großen, hermetisch abgeriegelten Gelände an. Es war gespenstisch ruhig dort, kein Bellen, nur ab und zu ein leises Wimmern. Wir alle wurden aus dem Wagen geholt, genauso brutal, wie wir hineinkamen. Diesmal mit einer ganz großen, eisernen Zange. Die drückte sich ganz tief in meinen blutenden Hals und tat furchtbar weh. Ich wollte nur noch sterben!

Endlose Minuten schleppte man mich mit dieser Zange in ein Gebäude und warf mich in einen Käfig, wieder zu anderen Hunden, die ich nicht kannte. Diese aber bissen mich nicht. Die waren ganz ruhig und saßen nur ganz dicht an die Gitter gedrückt und hatten die Augen ganz weit aufgerissen. Die mussten vor irgendwas eine furchtbare Angst haben.

Es wurde dunkel. Wir alle versuchten zu schlafen, hatten aber furchtbaren Durst. Niemand hat uns Wasser gegeben. Wir wurden allein gelassen, stundenlang, die ganze Nacht. Von überall aus dem großen Gebäude hörte ich leises Wimmern und Jammern...

Plötzlich hörte ich immer wieder einen Hund ganz laut und in Todesangst schreien. Immer und immer wieder schrie ein anderer. Manche schrieen lang, sehr lang, manche nur ganz kurz. Jedes mal aber war dann das Schreien mit einem Mal wieder vorbei. Ich konnte mir das nicht erklären und versuchte, durch die Gitterstäbe nachzusehen, was da los war.

Mir blieb fast das Herz stehen vor Schreck! Am anderen Ende der Halle zerrte ein Mann einen Kollegen mit dieser furchtbaren Zange aus dem Käfig und drückte ihn mit der Zange und den Füßen ganz fest auf den Boden. Ein anderer Mann hatte eine Eisenstange in der Hand. Er nahm die Stange, holte aus und stieß sie mit aller Kraft in den armen Hund, der ganz ganz laut aufschrie und danach jammerte. Der Mann zog die Stange wieder raus und machte das noch 3mal, bis der arme Hund nicht mehr schrie. Ich zitterte vor Angst am ganzen Körper.

Andere Männer liefen auch rum und holten Hunde aus den Käfigen. Auch die drückten die Hunde fest auf den Boden. Nur hatte da der andere Mann keine Eisenstange, sondern so ein durchsichtiges Ding, ziemlich groß, mit einer langen dünnen Spitze. Die stach er dann dem Hund ins Herz und spritzte ihm irgendeine Flüssigkeit rein. Auch der arme Hund schrie ganz furchtbar. Die Männer gingen dann einfach weiter und ließen ihn einfach schreiend liegen. Aus dem Schreien wurde dann ein Wimmern, das dann irgendwann, nach ewig langer Zeit aufhörte.

Die Männer kamen immer näher an meinen Käfig. Ich hatte solch eine Angst und fragte mich immer wieder "warum tun die das, warum lassen sie uns nicht leben? Wir haben denen doch überhaupt nichts getan!!!"

Kurz bevor die Männer meinen Käfig erreichten, rief einer sowas wie "Feierabend". Die Männer kamen nicht näher, sie holten einen großen Wagen und warfen dort all die armen toten Hundekollegen rein. Ich habe noch gesehen, dass manche von ihnen nicht ganz tot waren. Das aber haben die Männer mit der Eisenstange ganz schnell geändert.

Dann war wieder Stille - Totenstille.

Nach einiger Zeit kamen auf einmal wieder Menschen. Ich hatte Angst, das morden geht wieder weiter und ich drückte mich jetzt ganz ängstlich in eine Ecke meines Käfigs und machte ganz große Augen, genau wie die anderen und ich verstand jetzt auch deren Angst.

Diese neuen Menschen aber waren anders. Sie kamen an die Käfige und sprachen lieb mit uns. Dann machte einer meinen Käfig aus und ich durfte mit 3 anderen raus. Diesmal nicht mit der Zange, man hat uns ganz lieb mit der Hand rausgeholt.

Wieder kamen wir in ein Auto, nicht aber so voll gestopft wie beim letzten Mal. Wir fuhren lang, sehr lang. Als das Auto dann endgültig anhielt, hörte ich von überall her ein Bellen, diesmal aber kein ängstliches Wimmern oder Jaulen, nur Bellen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, mir würde jetzt nichts mehr passieren.

Irgendjemand nahm mich aus dem Auto und trug mich in einen Käfig, der aber viel größer war, als der andere. Die anderen 3 kamen auch mit zu mir. Wir waren begeistert: Da stand eine ganz große Schüssel mit Wasser und auch was zu Fressen. Ganz schnell haben wir das zusammen getrunken und gefressen und haben dann erstmal geschlafen. Ewig lange haben wir geschlafen, nur um zu vergessen, was wir vorher erlebten.

Einige Monate saß ich nun in diesem Käfig. Es war sicher nicht so schön, wie in der Stadt neben meiner Ladentür, hatte aber den Vorteil, ich brauchte mir ums Futter und Wasser keine Sorgen machen. Ja, manchmal gab es nur ein halbes Brot am Tag, manchmal, wenn auch sehr selten, bekamen wir Fleisch. Hei, das war jedes Mal ein Fest! Meistens aber gab es so trockene Brocken. Schmeckten ganz gut, waren nur immer sehr staubig und ich hatte dann einen wahnsinnigen Durst hinterher. War aber nicht schlimm, Wasser gab es ja reichlich.

Eines Tages kam dann ein Mann vorbei und war ganz lang bei mir am Käfig. Ich drückte mich ganz eng an die Gitter und stupste ihn immer wieder mit der Nase an und ließ mich genussvoll streicheln. Leider aber ist der Mann wieder gegangen und war lang nicht mehr da, bestimmt 2 Wochen. Ich glaube gesehen zu haben, dass er weinte, als er ging.

Auf einmal aber, nach langen 2 Wochen, war er wieder da. Er kam direkt zu meinem Käfig. Ich habe ihn sofort wieder erkannt und ganz lieb begrüßt. Er machte die Tür auf und ließ mich einfach raus. Ich durfte frei, ganz allein draußen rumlaufen. War das toll nach so vielen Monaten im Käfig. Ich habe den Mann aber nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen und bin ihm überall hin nachgelaufen.

Er hatte 4 Hunde mit. Er stellte mich diesen Hunden vor, die waren ganz lieb und haben mich begrüßt, als würden sie mich kennen. Komisch, ich habe die noch nie gesehen. Auch der Mann hatte ein Auto. Er machte so eine Riesentür hinten auf und seine 4 Hunde sprangen hinein. Ich schaute ihn groß an und wusste nicht was ich tun sollte. Er zeigte in das Loch im Auto und sagte "Hopp". Keine Ahnung was das heißen sollte, ich denke aber, er wollte, dass ich einsteige. Nun gut, hab ich dann gemacht und wir sind losgefahren.

Die Fahrt ging ewig und er fuhr sehr schnell. Ich hatte schon ein bisschen Angst. Die anderen 4 aber waren ganz ruhig und schliefen. So wusste ich, alles ist gut - alles wird gut!

Nach etwa 2 Stunden kamen wir dann irgendwo an. Es war überall grün, einfach nur schön. Der Mann machte die Tür auf und wir durften aus dem Auto springen, ganz allein, ohne eine Zange. Wir gingen zu einem kleinen Haus und da waren noch ganz viele andere Hundekumpels. Die waren alle so lieb, keiner hat mich angebellt. Alle kamen zum schnüffeln und wollten mich kennen lernen. Dem Mann bin ich dann hinterher gelaufen, die ganze Zeit. Ich dachte, irgendwann wird der mir schon den Käfig zeigen, in den ich rein muss.

Ich habe überall geschaut. Es war ein ganz großer Garten und ich habe in jede Ecke geschaut. Der Mann hat überhaupt keinen Käfig!!!

Ich verstand erst jetzt, ich darf wieder ganz frei sein, ich darf wieder ein richtiger Hund sein und darf überall herumlaufen. Nie wieder Drahtschlinge, nie wieder Eisenzange! Ich war so froh und glücklich, es war unbeschreiblich.

Seit über einem Jahr lebe ich nun hier. Seid sicher, ich werde diesen Mann niemals verlassen oder ihn ärgern. Nicht, das er sich doch noch einen Käfig für mich anschafft. Ich lebe jetzt so schön, in einem Garten mit Bäumen und Gras und einem See, mit vielen lieben Kumpels. Ich glaube, ich habe hier endlich einen Platz gefunden, an dem es noch viel schöner ist, als neben meiner Ladentür auf der Straße in Bukarest.
Ich werde aber niemals den einen Tag vergessen, den ich unter Mördern verbringen musste. Niemals werde ich den Anblick meiner toten Kollegen und deren Todesschreie vergessen...

Euer Sammy