Akeems Geschichte

In Bukarest ging es mir gar nicht gut. Ich bin ein kleiner Hundejunge, der schon als Baby böse Sachen erleben musste. Ich habe mit angesehen, wie so viele meiner Freunde einfach von der Straße von Menschen mit langen Stangen gefangen wurden. Sie haben sich verzweifelt gewehrt, hat aber alles nichts genutzt. Ich habe mich mit meinen Geschwistern immer versteckt und wir waren ganz still.

Andere Menschen haben uns lieb gehabt, die haben uns immer was zu essen gegeben und uns immer mal gestreichelt. Die Menschen hatten auch Angst vor den bösen Männern, die unsere Kumpels gefangen haben. Die kamen immer und immer wieder, bis dann die lieben Menschen uns in ein Auto gesteckt haben und mit uns weggefahren sind. Ganz lang sind wir gefahren, bis weit aus Bukarest raus.

Wir kamen an ein großes Gelände, dort waren sehr viele Artgenossen, die bellten und bellten die ganze Zeit. Als wir ankamen, kamen ganz fremde Menschen zum Auto, die aber auch lieb waren und uns streichelten. Nicht so schön aber war dann, das sie uns in einen Käfig sperrten. Da konnte man gar nicht mehr selbst raus. Ich war schon etwas sauer darüber. Na ja, wenigstens kamen die bösen Stangenmänner nicht da hin.

Wir waren nur ein paar Tage in dem Käfig, da kam plötzlich ein Mann, der freundlich von all den Menschen dort begrüßt wurde. Er hatte auch ein Auto und das war voll Futter. Der Mann war nicht allein, eine alte Frau war auch dabei und ein anderer Mann, der ganz viele Hunde dabei hatte. Die waren anscheinend alle seine Freunde. Ich war ganz neugierig und sprang immer an dem Käfig hoch um zu schauen. Michael Schmorenz mit Akeem auf dem Arm

Dann kam der eine Mann plötzlich zu uns und schaute in den Käfig. „Hier bin ich, hallo, hier!“ bellte ich und tatsächlich, der Mann streichelte mich und ich leckte ihm ganz doll die Hände. Er nahm mich aus dem Käfig auf den Arm, dort hielt ich ganz still. Er sprach mit den anderen Leuten dort und kurz darauf stiegen wie in ein Auto. Uii, war ich neugierig, was jetzt wohl passiert. Lange sind wir gefahren, ganz lange.

Dann kamen wir bei dem Mann zu Hause an und er zeigte mir all seine anderen Hundekumpels. Die waren auch neugierig, ich aber hatte schon ein bisschen Angst. Aber das war bald vorbei und ich fühlte mich da richtig wohl und zeigte es dem lieben Mann auch immer wieder. Ich wollte immer da sein, wo auch er ist.

Es war schön da. Ich konnte ins Haus, wenn ich wollte und ich durfte auch draußen spazieren gehen. Ich bin aber nie weit weggegangen. Ich musste doch aufpassen, das „mein“ Mensch nicht weg geht und ich merke nichts davon. Ein paar schöne Wochen lebte ich dort so zufrieden und glücklich und hatte meinen Menschen ganz doll lieb.

Ich bin aber nun mal auch ein neugieriges Hundekind, das alles entdecken wollte. So ging ich eines Nachts ganz allein und heimlich aus dem Haus und spazierte herum. War schon etwas unheimlich, so im dunkeln. Ich bin aber ein tapferes Hundekind und habe keine Angst! So spazierte ich bis zum Dorf, wo ich schon ein paar Mal mit meinem Menschen war.

Plötzlich kam jemand aus dem Dunkel. Ich kannte den Jemand nicht und dachte mir, ich belle erst mal ein wenig. Oh, das hätte ich nicht tun sollen, wirklich nicht! Der Jemand hatte plötzlich einen dicken Knüppel in der Hand und schlug den ganz furchtbar auf mich drauf. Immer und immer wieder. Das tat so furchtbar weh!

Ich wollte weglaufen, schrie ganz schlimm und laut um Hilfe – ich kam nicht weg und niemand hörte mich. Auch nicht mein Mensch, der hätte mir bestimmt geholfen.

So schlug der Jemand immer weiter auf mich ein, ich merkte, wie meine Knochen brachen und spürte, wie das Blut warm überall aus meinem Körper lief. Auch aus meinen Ohren und meinem Maul. Ich legte mich hin und dachte nur noch, hoffentlich ist es bald vorbei. Es tut doch so weh!

Der Jemand hörte auf, als ich nur noch still da lag und ging einfach weiter.

Einen Moment blieb ich noch liegen und wartete, ob er zurück kommt und weiter auf mich einprügelt. Er kam nicht mehr. Ich nahm meine allerletzten Kräfte zusammen und versuchte, wieder nach Hause zu kommen. In das schöne Zuhause, aus dem ich in meiner dummen Neugier weggelaufen bin, weil doch die Welt so interessant war. Es dauerte ewig lang und ich wurde immer schwächer. Als ich dann ganz nah bei meinem Haus und meinem Menschen war, konnte ich nicht mehr weiter. Ich fiel einfach um und konnte mich nicht mehr bewegen. Ich lag da und wimmerte ganz leise um Hilfe, ich konnte nicht mehr schreien.

Niemand hat mich gehört.

Es war bitterkalt. Ich hatte so schlimme Schmerzen und niemand war da, der mir helfen konnte. Dabei waren all meine Freunde so nah. Doch sie hörten mich nicht.

Plötzlich war alles anders. Ich sah ein Licht, wunderschön hell und warm. Das Licht schien auf eine grüne Wiese voller Blumen und viele andere Hunde spielten auf ihr. Mitten drin war ganz groß und mächtig der Anfang des Regenbogens und strahlte in den allerschönsten Farben. Ein paar der Hunde von dort kamen durch das Licht und halfen mir, auch zum Fuße des Regenbogens zu gehen. Auf einmal konnte ich wieder laufen und nichts tat mir mehr weh.

Die anderen Hunde erzählten mir die Geschichte von der Regenbogenbrücke und ich war so glücklich, das sie tatsächlich wahr ist und das ich dort, auf dieser schönen Wiese, auf meinen Menschen warten durfte. Von oben hörte ich eine Stimme, eine ganz liebe:

„Lieber Akeem, du bist zwar nur 6 Monate alt geworden, hast aber doch etwas Wichtiges erfahren dürfen: Du hast geliebt und wurdest geliebt. Ich bin der Gott aller Geschöpfe dieser Erde und heiße dich hier am Fuße der Regenbogenbrücke willkommen. Hier darfst du warten, bis alle, die du geliebt hast und die Dich liebten, auch da sind. Danach werdet ihr zusammen über die Regenbogenbrücke gehen und auf ewig zusammen sein.“
Regenbogenbrücke
Ich war da schon ein wenig trotzig, weil ich nicht so lang warten wollte und sagte zu Gott „Du, Gott, ich will aber nicht warten, ich will wieder zu meinem Menschen. Warum lässt du zu, das mir so Böses widerfährt, warum lässt du zu, das so viele andere Tiere so gemein und niederträchtig gequält werden. Warum tust du nichts dagegen?“

Gott war einen Moment still und sagte dann: „Ich habe etwas getan – ich habe Deinen Menschen geschaffen, der sich um dich und Deine Freunde sorgt und sie liebt, der nicht aufgibt, anderen armen Hunden zu helfen“

Da musste ich wohl doch ein wenig drüber nachdenken. Jetzt bin ich froh, das ich hier sein und auf meinen Menschen warten darf.

Ich bin tot, ich bin nur 6 Monate alt geworden. Das alles nur, weil ich so neugierig war, weil es ganz furchtbar böse Menschen gibt und weil mein Mensch nicht genug Geld hat, ein Zuhause mit großem Garten und einem hohen Zaun zu kaufen.

Ich wäre gern noch am Leben und ich würde sehr gern diese furchtbaren Schmerzen vergessen...