Die Geschichte eines Welpen


Hallo, ich bin ein kleiner, wenige Wochen alter Streunerwelpe aus Rumänien. Ich hatte eine liebe Mama und auch viele Geschwister. Ich lebte die ersten paar Tage eigentlich recht zufrieden in der Nähe von Pitesti in Rumänien. Zwar war die Milch immer ein wenig knapp und dünn aber sie hat meist gereicht. Ich war immer einer der schnellsten an den Zitzen von Mama und so wuchs ich und gedieh. Ich war einigermaßen glücklich, bis - ja bis ich meine Augen das erste Mal aufmachte. Ich wollte sie gleich wieder zu machen, mein erster Eindruck der Welt war schrecklich: Gleich neben mir lagen 3 meiner Geschwisterchen - tot und schon voll Maden! Sie waren viel kleiner als ich, waren wohl schon länger nicht mehr am Leben. Ich war so allein mit meinen beiden anderen Geschwistern, keine Mama da! Nach ganz langer Zeit kam dann eine ganz dürre schwarze Hündin angeschlichen. War das meine Mama? So dürr, so traurig? Sie kam zu uns und ich erkannte ihren Geruch. Freudig habe ich sie begrüßt, ihr viele dicke Bussis auf die Lefzen gegeben. Sie aber war so traurig und müde.

Sie legte sich zu uns und schlief ein. Wir drei wollten uns erstmal unsere Milch holen und waren ganz vorsichtig, um Mama nicht aufzuwecken. Aber so sehr wir auch nuckelten und saugten, es kam keine Milch. War sehr anstrengend und wir wurden müde und schliefen ein. Dann aber war der Hunger so stark, das wir wieder aufwachten. Mama schlief aber immer noch ganz fest. Ich stupste sie immer und immer wieder an, sie wurde einfach nicht wach. Da merkte ich, irgendwas stimmte nicht: Sie war nicht mehr so mollig warm wie sonst und auch dieses beruhigende Pochen aus ihrer Brust war nicht mehr da! Was ist da passiert? Wieso rührt sie sich nicht? Sie ist doch wohl nicht ... NEIN, das geht nicht! Mamas können nicht ... oder? Können Mamas? Ich überlegte lang und dann musste ich einsehen, Mamas können doch sterben! Ich war so traurig und beschloss, ich bleibe jetzt da bei meiner Mama liegen, bis ich auch tot bin, wir alle drei bleiben da liegen. So lagen wir dann da, schliefen, jammerten, hungerten und froren.

Ich glaube, es wurde 3 mal dunkel und hell. Plötzlich kam so ein riesengroßer "Ichweißnichtwas", genauso so einer, wie die vielen, vielen anderen, die dauernd an uns vorbeiliefen und uns nicht beachtet haben. Der neue Riese aber kam ganz dicht zu uns und machte sich klein und kam zu uns runter. Er sprach mit uns, leise und ruhig, irgendwie schön. In einer ganz anderen Sprache als die anderen Riesen. Ich verstand kein Wort aber es war schön! Dann kam er mit seinen riesengroßen Händen und hob uns auf. Er setzte uns in ein dickes Blechungetüm, das einen mords Radau machte. Damit bewegten wir uns ganz schnell fort und wir wurden kräftig durchgeschüttelt.

Wir entfernten uns immer mehr von unserer Mama. Dann waren wir auf einmal ganz woanders. Da war es grün und sonnig und schön. Da gab es was zu Essen und zu Trinken, soviel, wie wir wollten. Ein Bett aus Stroh hatten wir auch. Nur diese doofe Paste, die er uns zu essen gab, war eklig. Hab nichts verstanden, was er sagte. Nur ein Laut klang wie "Würmer". Vielleicht hieß diese Paste Würmer? Hmm, am nächsten Tag musste ich jedenfalls ganz doll A-a, das war vielleicht komisch: das A-a war ganz weiß mit ganz vielen doofen Fäden drin. Ein paar davon haben sogar gezappelt - eklig! Der Riese hat sich aber darüber gefreut, das wir so ein komisches A-a gemacht haben. Danach waren wir auf einmal ganz dünn und konnten noch viel mehr essen als vorher, das war toll! Ein bisschen haben wir unsere Mama schon vermisst, nur der Riese war auch ganz ok und Hunger hatten wir auch nicht mehr. War schon in Ordnung so. Wir brauchten uns keine Sorgen mehr machen. Jeden Tag fressen, spielen, schlafen. War schon schön!

Der Riese hatte noch mehr von uns. Große und Kleine, Alte und ganz junge. Wir durften da aber noch nicht hin, hat er gesagt. Ich war ganz schön sauer! Der hat irgendwas von "nicht geimpft" gefaselt. Natürlich bin ich kein "nicht geimpft", ich bin ein Hundebaby - so! Es wurde, glaube ich, sooft dunkel und hell, wie ich Finger vorn habe. Beim letzten Mal hell werden war es mir morgens ganz schlecht, meinen Geschwistern auch. Wir hatten ganz doll Bauchweh und machten blutiges A-a, andauernd. Wir haben gejammert und gestöhnt und dachten, irgendwas in uns drin frisst unsere Bäuche auf! Wir hatten furchtbare Angst und hatten keine Lust mehr zum spielen. Da kam dann der Riese und hat uns ganz besorgt angesehen, uns so einen Stock in den Popo geschoben und drin gelassen, bis der Stock "piep" gemacht hat. Dann hat er sich den Stock angeguckt und war ganz traurig. Er hat uns mit ins Haus genommen und uns ein Bett aus flauschigen Decken gemacht. Danach hat er mit so einem kleinen Kästchen geredet, das immer so komisch piept, bevor er damit spricht. Aus einem großen, weißen Kasten, aus dem es ganz kalt raus kam, hat er dann was rausgeholt und das in 3 durchsichtige Dinger getan, die vorn ganz spitz und glänzend waren. Und damit hat er uns dann ganz furchtbar gepiekt!!!

Später kam dann noch ein anderer Riese, den ich noch nicht kannte. Der sprach wieder die Sprache von den Leuten, wo wir herkamen, nicht so wie "unser" Riese. Der guckte ein bisschen traurig und sagte so was wie "Parvo". Unser Riese war auch traurig! Warum eigentlich? Wir hatten doch nur ganz doll Bauchweh!

Wir haben alle 3 nie einen Namen bekommen und wir haben nie ein Tierheim gesehen. Wir haben nie andere Hunde kennen gelernt oder mit anderen gespielt. Wir sind einfach so gestorben und sind gerade mal sechs Wochen alt geworden! Wir wohnten in einem Land, in dem wir einfach zu viele sind. Wo sich keiner um uns kümmerte, wo wir fast allen egal waren. Wo wir getreten, geschlagen, vergiftet und überfahren werden, wo wir nur von ganz wenigen geliebt werden. Wo wir im Winter an Hunger sterben, wo wir bei Regen durchnässt sterbenskrank werden. Wo wir stellvertretend für hunderttausende anderer Babies stehen, die hier im Jahr sterben. Wo wir, wären wir erwachsen geworden, stellvertretend für Millionen anderer stehen, die nirgendwo in Rumänien ein Zuhause haben.

Bukarest: 200.000 Streuner
Pitesti: 30.000 Streuner
Plojesti: 30.000 Streuner
Brasov: 50.000 Streuner
keine Stadt in Rumänien unter 10.000 Streuner...
und alle unsere Freunde, die in den Wäldern und den Dörfern leben.